Krätze auf dem Vormarsch. So ist es in unzähligen Pressemeldungen zu vernehmen. Oft betroffen: Schulen, Kitas und andere Gemeinschaftseinrichtung. Die Krätze wird über direkten Hautkontakt, aber auch durch die gemeinsame Nutzung von Gegenständen übertragen. Die Inkubationszeit kann bis zu 6 Wochen dauern. Es besteht Meldepflicht. Wird in ein Fall mit Krätze an der Schule oder in einer Kita bekannt, ist die Gemeinschaftseinrichtung zur Meldung an das Gesundheitsamt verpflichtet.

  • Kommen Schulleitungen dieser gesetzlichen Verpflichtung nach?
  • Werden Schüler und Eltern über den Ausbruch von Krätze an der Schule oder in der Kindertagesstätte informiert?
  •  Was wird getan, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren?

Vielfach passiert dies nicht. Es wird gelogen und vertuscht, wie uns im Fall an mindestens einer Schule in Mecklenburg-Vorpommern bekannt ist.

Lesen Sie in diesem ausführlichen Beitrag außerdem:

  • Was müssen Eltern über Scabies wissen?
  • Wie erkannt man den Parasit, der sich in die menschliche Haut einnistet?
  • Ist Krätze gefährlich, welche Nebenwirkungen können auftreten?

Wird die Ansteckungsgefahr bei Krätze absichtlich kleingeredet?

Die Krätze galt als weitestgehend als ausgestorben. Unzählige Quellen scheinen in den letzten 4 bis 5 Jahren eine massive Ausbreitung der Krätze zu belegen. Je nach Quelle haben sich die Fallzahlen in allen Bundesländern vervielfacht. Auch Studien deutscher Krankenkassen scheinen dies anhand von zunehmenden Medikamentenverordnungen zu bestätigen.

Fraglich ist, inwieweit gezielte Desinformation, Vertuschung von Fällen und ausbleibende, bzw. zu späte Informationen an Eltern für die Rückkehr und Ausbreitung der Krätze verantwortlich sind. Krätze wird regelmäßig als Hautkrankheit oder Hauterkrankung bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Parasitenbefall mit der Krätzmilbe.

Immer wieder wird behauptet, dass eine Übertragung der Krätzmilbe fast nur über direkten, engeren und längeren Körperkontakt möglich sei. Fakt ist aber:

Krätzmilben können außerhalb des Körpers bis zu Tage überleben. Eine Übertragung auch ohne intensiven körperlichen Kontakt ist also möglich.

Literatur & Gesundheitsämter: Diverse Einschätzungen über das Ansteckungsrisiko von Krätze

Da die Krätzmilbe sich relativ langsam fortbewegt, wird in der Literatur mitunter darüber berichtet, die Krätze sei nicht hochansteckend, wie man denken möge. Demnach sei eine Ansteckung der Krätze nur durch intensiven und längeren Hautkontakt möglich.

Trotzdem ist bei einem Krätzebefall das familiäre Umfeld bzw. sind andere Kontaktpersonen mitzubehandeln, weil Krätzemilben auch über gemeinsam genutzte Gegenstände übertragen werden können.

Regelmäßig wird empfohlen, Polstermöbel, Sofakissen, Matratzen, Teppiche usw. gründlich abzusaugen und de Staubsaugerbeutel mit Handschuhen sofort zu entfernen. Wäsche soll täglich mindestens einmal gewechselt und auf 60°C gewaschen werden. Für ein hohes Ansteckungsrisiko sprechen auch die Zahlen von Krätzefällen an Schulen.

Die Angaben über das Maß der Ansteckung mit Krätze variiert von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt.

Das Niedersächsische Landesgesundheitsamt informiert zur Übertragung der Krätzmilbe wie folgt:

Die Übertragung erfolgt in erster Linie direkt über längeren engen körperlichen Kontakt, wurde jedoch auch bei Kurzkontakten nachgewiesen.

Empfehlung des Robert-Koch-Instituts

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt im Flussdiagramm „Maßnahmen bei Scabies“ ab 2 Fällen in einer Gemeinschaftseinrichtung:

  • spezielle Hygiene-/Umgebungsmaßnahmen
  • Bildung Führungsteam
  • Ermittlung und Untersuchung enger Kontaktpersonen

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, eine weitere Verbreitung der Krätze an der Schule bzw. anderen Gemeinschaftseinrichtungen und im privaten Umfeld einzudämmen.

Werden Fallzahlen absichtlich kleingehalten?

Eine Abgeordnete des Landtags Mecklenburg-Vorpommern schreibt in einer Kleinen Anfrage:

Krätze (Skabies) ist als Einzelerkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig. Nur wenn zwei oder mehr Erkrankungen im epidemiologischen Zusammenhang auftreten beziehungsweise Skabiesfälle in Gemeinschaftseinrichtungen (zum Beispiel Kindergärten oder Schulen) auftreten, ist das zuständige Gesundheitsamt zu informieren und die Infektionen sind zu melden.

Konkret heißt das: Tritt an einer Gemeinschaftseinrichtung nur ein Krätzefall auf, ist dieser nicht meldepflichtig. Gibt es zwei oder mehr Kinder mit Krätze an einer Schule, muss die Schule an das Gesundheitsamt melden.

Im uns bekannten Fall an einer Demminer Schule (Mecklenburg-Vorpommern) wird von Schule und Gesundheitsamt im Rahmen einer Presseanfrage nur ein Krätzefall bestätigt – Eltern und Schülern sind jedoch mindestens 7 Krätzefälle bekannt. Auf den Fall und das öffentliche Echo auf einen Presseartikel im Nordkurier (print und online) gehen wir später noch ein.

Maßnahmen zur Eindämmung der Krätze

Wird ein Krätzefall in einer Geschmeinschaftseinrichtung bekannt, werden je nach Literatur besondere Reinigungsmaßnahmen empfohlen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Unter anderem der Ennepe-Ruhr-Kreis, Fachbereich Gesundheit sieht bei Krätzeausbruch vor:

Reinigungspersonal informieren: genaue Anweisungen für die Reinigung und Desinfektion geben.

Weiter ist dort zu lesen:

  • Schon bei begründetem Verdacht muss – bis zur Abklärung mit dem Hautarzt – enger Kontakt mit andern Kindern und Personal vermieden werden.
  • Kinder, Mitarbeiter oder auch Familienangehörige einem Hautarzt vorstellen.
  • Die prophylaktische Behandlung von verdächtigen Personen wird ebenfalls vom RKI empfohlen.

Inkubationszeit Krätze: Einige Tage bis sechs Wochen

Während der Inkubationszeit sind Betroffene beschwerdefrei. Vom ersten Befalls bis zum Bemerken desselbigen können bis zu 6 Wochen vergehen. In dieser Zeit sind Betroffene ansteckend. Weibliche Tiere, die sich in diesem Zeitraum in die Haut eingegraben haben, haben bereits ihre Eier in die Dermis abgelegt. Die Eiablage und Absonderung von Exkrementen erfolgt täglich. Die Krätzmilbenlarven fressen sich durch die Haut, um sich in Hautfalten und Vertiefungen zu paaren und anschließend wieder neue Hauttunnel zu graben.

Wer also von Krätze befallen ist, ist bis zur erfolgreichen Krätzebehandlung ansteckend und kann bei Körperkontakt oder über gemeinsam genutzte Gegenstände andere Menschen mit Krätzmilben übertragen. Das gilt z. B.  auch für:

  • Kindergartenkinder
  • Schulkinder
  • Geschwisterkinder
  • Spielfreunde
  • Eltern
  • Lehrer

In der Schule kommen als mögliche Gelegenheiten zur Übertragung der Krätze beispielsweise

  • Schwimmunterricht
  • Sportunterricht
  • Spielen auf dem Schulhof
  • das enge Nebeneinandersitzen im Unterricht

in Betracht.

Krätze ist meldepflichtig

Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) sieht eine Meldepflicht vor. Bereits bei vorliegendem Verdacht besteht ein Aufenthalts- und Arbeitsverbot in Gemeinschaftseinrichtungen. Weiter sieht das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen vor, dass von Krätze Betroffene keine Gemeinschaftseinrichtungen aufsuchen dürfen. Dies ist erst nach erfolgreicher Krätzebehandlung erlaubt.

Was ist Krätze?

Scabies, so lautet der wissenschaftliche Name für die Krätze. Dabei handelt es sich um parasitären Befall mit der Krätzmilbe. Die weibliche Grabmilbe ist etwa 0,3 bis 0,5 mm groß. Sie frisst sich mit ihren Chelizeren in die Epidermis, wo sie ihre Eier in Bohrgänge ablegt. Etwa 3 bis 5 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven der Krätzmilbe. Auch die Absonderung von Kot erfolgt in den Bohrgängen in der Haut des Wirts.

Nach dem Schlupf bewegen sich die Larven der Spinnentiere an die Hautoberfläche. Die männlichen Grabmilben wandern bei der Suche nach geschlechtsreifen weiblichen Krätzmilben über die Haut des Wirts, um sich zu paaren. Männliche Kratzmilben erreichen nach ca. 2 Wochen, weibliche nach etwa 3 Wochen Geschlechtsreife.

Durch das Graben von Tunneln in der Haut sowie durch die Ablage von Kot in die Grabgänge entstehen Ausschläge und Ekzeme, die mit massivem Juckreiz einhergehen. Jedes Milbenweibchen bewegt sich in der Dermis pro Tag etwa einen halben Zentimeter vorwärts. Die Lebenserwartung einer Krätzmilbe liegt bei etwa 60 Tagen.

Wie gefährlich ist Krätze?

Nach der Inkubationszeit treten massiver Juckreiz, teilweise auch massive Hautprobleme auf. Durch Kratzen kann es zu weiteren Verletzungen der Haut, Infektionen, Superinfektionen, allergischem Hautausschlag bis hin zur Sepsis kommen.

Liegt krustöse Scabies (Scabies crustosa) vor, ist eine stationäre Aufnahme des Patienten unumgänglich. Bei der „gepflegten“ Scabies (Scabies incognita) erfolgt eine medikamentöse Behandlung durch Skabizide bzw. Antiscabiosa. Als Wirkstoffe werden

  • Permethrin
  • Benzylbenzoat
  • Crotamiton

eingesetzt, die in Form von Cremes oder Emulsionen Anwendung finden. Des Weiteren kommt eine systematische Behandlung der Scabies mit Ivermectin für die innerliche Anwendung in Betracht.

Selbst nach einer erfolgreichen Scabies-Behandlung können Juckreiz und Hautprobleme (postskabiöses Ekzem) anhalten, sodass die Therapie mit Hydrokortison und/oder Antihistaminika fortzusetzen ist.

Als mögliche Komplikationen bei Krätze sind diese zu benennen:

  • bakterielle Superinfektion
  • Nierenbeckenentzündung, verursacht durch Streptokokken
  • Borkenkrätze, insbesondere bei geschwächtem Immunsystem

Quelle: https://www.navigator-medizin.de/eltern_kind/die-wichtigsten-fragen-und-antworten-zu-kinderkrankheiten/hauterkrankungen-hautinfektionen-parasiten/kraetze/wissenswertes-ueber-kraetze/1280-welche-komplikationen-koennen-bei-einer-kraetze-auftreten.html

Darüber hinaus können durch die Anwendung von Medikamenten Nebenwirkungen auftreten. Bei dem Wirkstoff Permethrin handelt es sich um ein Kontakt- und Fraßgift.

Im Rahmen der Wirkstoffprüfung gemäß der EU-Biozid-Verordnung wurde 2014 Permethrin mit dem Ergebnis bewertet, dass der Stoff kein genotoxisches und kanzerogenes sowie kein reproduktions- und entwicklungstoxisches Potenzial besitzt. Die US-Umweltbehörde EPA hat Permethrin bei oraler Aufnahme als möglicherweise krebserregend eingestuft.

Nebenwirkungen können auch durch den Wirkstoff Benzylbenzoat ausgelöst werden:

Benzylbenzoat hat lokale Reizwirkung auf Haut und Schleimhäute.

Der dritte Wirkstoff, Crotamiton, ist in Tiermedizin nicht zugelassen:

In Deutschland sind keine Tierarzneimittel auf der Basis von Crotamiton zugelassen.

Derzeit liegen der Redaktion (noch) keine Beipackzettel vor. Dennoch möchten wir diesen Warnhinweis nicht unerwähnt lassen:

Halten Sie Katzen oder zu Hause gehaltene Reptilien (z. B. Schildkröten oder Schlangen) von sich fern, wenn Sie mit Permethrin-Creme behandelt werden. Länger andauernder Hautkontakt mit dem Wirkstoff kann für diese Tiere tödlich sein. Für bestimmte Hunde ist mitunter ein Verschlucken von Ivermectin-Tabletten tödlich.

Quelle: https://www.infectopharm.com/public_downloads/pressemitteilung-Scabioral-basiswissen-kraetze10-2017.pdf

Woran erkennt man Krätze?

Umso schneller der Parasitenbefall mit der Krätzmilbe entdeckt wird, desto besser sind die Behandlungserfolge. Dies trägt auch der weiteren unbemerkten Verbreitung des Parasiten bei.

Was tun bei Verdacht auf Krätze?

Haben Sie gehört, dass Krätze an der Schule oder in der Kita umgeht, kontrollieren Sie über mehrere Wochen die Haut Ihrer Kinder auf Anzeichen für Krätze. Wenden Sie sich auch an einen Hautarzt, um eine fachmedizinische Untersuchung in die Wege zu leiten. Durch Abschabung der Haut kann ein Krätzebefall nachgewiesen werden.

Bei positivem Befund solle die gesamte Familie auf die parasitär lebende Krätzmilbe untersucht und behandelt werden.

Rückfragen in Schulen, Kitas sowie bei Schulamt und Gesundheitsamt sind zu empfehlen, wenngleich Eltern dort oftmals durch Desinformation abgespeist werden. Der Austausch mit anderen Eltern ist daher ebenfalls anzuraten.

Das sind die Symptome der Krätze

Klassische Symptome der Krätze treten – beim Erstbefall – etwa zwei bis sechs Wochen nach der Parasitenübertragung auf. Bei weiteren Krankheitsepisoden kennt das körpereigene Immunsystem die Parasiten bereits und löst bereits nach wenigen Tagen Krätze-Symptome aus.

Typische Symptome der Krätze sind:

  • ausgeprägter Juckreiz
  • Verstärkung bei Wärme
  • gerötete Hautstellen
  • Brennen der Haut
  • stecknadelkopfgroße Knötchen
  • Bläschenbildung (meist bei kleineren Kindern)
  • Bildung von Schuppen und Krusten
  • Hautausschlag

Häufig betroffen sind die Bereiche zwischen Fingern und Zehen, Achselgegend, Nabelregion, Fußsohlen sowie Fußknöchel und Genitalbereich.

Nur bei genauem Hinsehen können (!) die bogenförmigen Bohrgänge, und selten auch die Krätzmilben selbst, sichtbar sein. Der Juckreiz wird durch die nächtliche Bettwärme verstärkt.

Bei der Borkenkrätze treten andere Symptome auf. Große Hautareale sind gerötet. Typisch ist eine starker Verhornung sowie massive Bildung von Schuppen. Der Juckreiz ist weniger ausgeprägt oder kann ausbleiben.